Der kleinste analoge polyphone Synthesizer?

John Krischer Synth

Krischer aus Paris bietet einen dreistimmigen Synthesizer für gute 60 Euro an. Wie geht das und wieso hat er nur 3 Knöpfe?

Nun, es sind nur stehende Töne, es gibt kein Filter sondern einfach drei stimmbare Oszillatoren. Der Begriff Synthesizer wäre eigentlich nicht angemessen, denn dann müsste man eine gewisse Mindestanforderung haben wie etwa auch eine Lautstärkensteuerung und etwas, was den Klang beeinflusst. Es ist eigentlich ein Gerät mit drei Oszillatoren, die man stimmen kann. Daher kann man auch „polyphon“ sagen, da es ja unabhängig stimmbar ist.

Krischer Polyphonic analog Synthesizer

Postitiv gesagt ist das aber eine mögliche Grundlage für Flächen und kostet eher ein Taschengeld. Das kleine Teil gibt es in zwei Ausführungen, nämlich mit CV Anschluss, rot und für etwas mehr, jedoch noch immer unter 100 Euro oder in einem feurigen mausgrau bis spacegrau und leichtem Hang ins etwas grauere Grau. Aber im Ganzen Grau wäre die besagte 59-Euro-Maschinerie. Wie man an den fast monsterhaften Anschlüssen erkennen kann, ist das Gerät nicht groß und daher faktisch Begleiter für den Proberaum, stehende Akkorde und Hypnotisierendes.

Kaufen kann man es bei Reverb, nicht über eine eigene Website. Demzufolge gibt es auch keine spezielle Site dafür, sondern genau hier gibt es weitere Information dazu. Der Hersteller ist John Krischer.

Die orange-rote CV-Version kostet 79 Euro, die normale Version 59 Euro. Im Video ist die Farbe übrigens rötlicher, auf Bildern hingegen klar orange.

Die CV-Version enthält kein Gate, da es auch keine Hüllkurven oder VCAs gibt. Deshalb ist und sind es zwei CV-Eingänge. Damit wäre es ein duophoner Synthesizer mit einem festen dritten Oszillator, um wirklich genau und exakt zu bleiben. Es ist trotzdem nett, die Idee „polyphoner Synthesizer“ in dieses Extrem zu bringen. Aber es ist vielleicht ein kleinwenig schöner dargestellt, als es ist. Aber klingen tut er trotzdem, hier eine Kostprobe:

Video

Analogsynth mit Sequencer für 199 Euro (!) – IK Multimedia UNO

IK Multimedia Uno

Klein und günstig aber dennoch komplett analog ist der Synthesizer-Erstling „Uno“ aus Italien. Ja, er wird komplett dort hergestellt und soll im Juli bereits im Laden sein. 

199€ ist eine echte Hausnummer und definiert neu was man für so wenig Geld bekommen kann. Es beginnt also, die absolute Verfügbarkeit für alle zu Taschengeld-Preisen. Der Uno hat zwei analoge Oszillatoren mit den drei klassischen Wellenformen Sägezahn, Dreieck und Puls (inkl. Rechteck) und auch Pulsbreitenmodulation beherrscht das Gerät. Dazu gibt es einen LFO, zwei ADSR-Hüllkurven und ein 12 dB / Oktave – Multimodefilter, was Tief-, Hoch- und Bandpass liefert.

IK Multimedia UNO Synthesizer Slant
IK Multimedia UNO Synthesizer Top
IK Multimedia UNO Synthesizer Rear
IK Multimedia UNO Synthesizer Side

Der Sequencer hat mindestens 16 Steps und hat die Anmutung einer MC202 mit einer Abbildung zweier Oktaven. Dazu ist ein Arpeggiator an Bord und ein Delay ist offenbar auch noch mit integriert. Diese Menge entspricht in etwa der Leistung der Roland Boutique Serie, nur ist dieser hier noch günstiger zu haben. Ob es Sequenzen mit mehr als 16 Steps gibt ist nicht bekannt, dennoch ist der Preis regelrecht sensationell und erinnert eher an eine Art Luxus-Volca gekreuzt mit dem Roland MC202, der in etwa einen vergleichbaren Funktionsumfang bietet.

Der Uno hat noch einen Rauschgenerator und die meisten Parameter werden über ein Matrixfeld angewählt und mit vier Potis entsprechend eingestellt. Das Prinzip kennt man schon von anderen kleinen Synthesizern und stellt keine große Hürde dar.

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Moog bringt den Minimoog als App – gleiche Technik wie Model 15

Moog Minimoog App

Die Model 15 App dürfte vielen ein Begriff sein. Dies ist die Nachbildung des kleinsten Moog Modulsystems, was optisch und klanglich auf dem iPad eine neue Generation einleutete. Nun kommt mit dem Minimoog die App Nr. 2 auf den Mart. Ob die klanglich auch oben mitspielt?

Minimoog App

Der zweite Streich und absolut naheliegend – genau genommen gab es bereits auch den Animoog und eine Filter-App namens Filtatron. Anders als bisher kostet der Minimoog nicht all zu viel, verlangt aber ein aktuelleres iPad. Mit alten 32Bit-iPads und solchen mit zu wenig Kernen kommt man nicht sonderlich weit, weshalb man eher eines der neuesten Generation haben sollte.

Wie das Model 15 ist der neue, virtuelle Synthesizer polyphon spielbar und qualitativ mit diesem nicht nur vergleichbar sondern quasi identisch. Der Entwickler ist der selbe.

Der Minimoog beherrscht aktuellste Technik, damit auch MPE. Das ist eine Option, die Leuten mit Roli Seaboard oder Haken Fingerboard gefallen müsste, denn damit kann man jeden Ton und damit jede Stimme einzeln mit Bendings und Modulationen abwandeln. Quasi das bessere Multimode.

Auch der im einen inzwischen gelöschten ADC Entwicklervideo gezeigte Vorstoß auf ein Hardware-Gerät mit digitalen Innereien und vermutlich analogen Filtern wird irgendwann kommen. Der Entwickler ist Geert Bevin, er hat auf Youtube einen Kanal und ist fest bei Moog angestellt, was uns sicher noch mehr interessante und technisch gut gemachte Apps bringen wird. Es ist schön, dass Firmen auch Leute fest anstellen, was gerade im App-Bereich keineswegs Standard ist. Mit Herrn Amos zusammen zeigte er im Video Interface und Display-Technik und wir werden sicher noch mehr bekommen.

Der Preis ist mit 5 USD gering und ist bei uns bei 5,50 Euro „gelandet“. Bisher waren Moog-Apps eher bei 20€ zu suchen. Mal sehen, was die Reviews sagen.

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Synth Addict – Der kleine günstige Noise Toaster ohne Brötchenhalter

Synth Addict Noise Toaster

Noise Toaster ist ein kleiner Synthesizer in quadratischer Form als Desktop oder Eurorack-Modul aus Italien.

Synth Addict? Bisher noch nie gehört, vertreiben ihre kleinen Synthesizer über Etsy. Ihnen gemein ist, dass sie alle bewusst klein gehalten sind und quasi ohne Schnörkel, aber mit allem, um ein Synthesizer zu sein.

Synth Addict Noise Toaster – quadratisch, praktisch …

Ein Oszillator wartet auf das Sync-Signal eines zweiten externen Oszillators, kommt aber auch ohne das aus. Zu diesem gesellt sich ein Rauschgenerator. Zwei Modulationsbusse führen zum Oszillator. Das Filter liegt direkt darunter und hat einen Modulationseingang. Ganz unten findet man einen LFO mit drei gleichzeitig zugänglichen Schwingungsformen. Er ist nicht modulierbar und hat das, was ein LFO minimal benötigt, nämlich einen Tempo-Knopf. Unten rechts findet man eine AR-Hüllkurve, die nicht nur einfach ausgelöst, sondern auch in einen Loop-Modus versetzt werden kann. Damit ist er im „Notfall“ auch ein LFO.

Der VCO bietet Rechteck und Sägezahn. Das System scheint prinzipiell offen zu sein, sodass man beispielsweise das Filter auch extern nutzen kann. Der VCA scheint wiederum semimodular und fest in der Signalkette hinten zu liegen, somit muss man den Toaster insgesamt als semimodular bezeichnen.

Die Schaltung stammt offensichtlich von Music from outer Space, einer Art DIY-Zulieferer, der eben zum Bau von Synthesizern animiert. Der Hersteller ist also dem Musikanten behilflich und lötet ein bisschen für die, die keine Lust dazu haben. Das Gerät kostet 190 Euro, was man nicht teuer nennen kann, nein es ist sogar unfassbar günstig und man hat tatsächlich einen echten Synthesizer in der Hand. Der Versand ist mit 29 Euro allerdings teuer zu nennen, sodass man in Deutschland mit 219 Euro dabei ist – was aber immer noch wenig ist. Die Möglichkeiten sind ein wenig über dem eines Monotrons. Das Gerät wird mit einem 9 Volt Netzteil betrieben, das man nicht extra kaufen muss.

Den Kauf kann man hier tätigen.

Minimo Volks-Sequencer in Bastl-Kastl-Stil und -Form – winzig!

Minimo Sequencer

Klein, Hardware und Ein-Tasten-Bedienung. Es geht kaum günstiger, kompakter und Resourcen-schonender einen Sequencer zu bauen. Außerdem ist er Open-Source und daher für jeden offen.

Um einordnen zu können, welche Art von Sequencer man zu erwarten hat, kann man die neuerdings wieder beliebter werdenden Step-Sequencer heranziehen. Sie haben faktisch selten mehr als 4 Taster oder 2 Schalter und einen Taster – einen für die „Aufnahme“, einen fürs Abspielen der Sequenz und einen, um Pausen einzugeben.

miniMO MIDI Sequencer

Auch hier kann man die Anzahl der möglichen Schritte vorgeben, ebenso bestimmte Skalen und Tonleitern, aber auch das Echtzeit-Tempo für die Einspielung und die Transposition beim Abspielen. Das gilt auch für die Oktavlage der gesamten Sequenz. Eine weitere Option ist, die Sequenz auch rückwärts abspielen lassen zu können. Damit handelt es sich nicht nur um einen simplen Step-Sequencer, wie man ihn aus dem SCI Pro-One oder Roland SH-101/SH-01A her kennt. Lustig ist auch die Möglichkeit, Zufallssequenzen zu erzeugen. Nach dem Einspielen kann man die Noten und Längen der Töne auch ändern.

Bis hier haben wir damit unter Berücksichtigung der Größe eine beachtliche Liste an Möglichkeiten. Die Bedienung muss man allerdings über wirklich wenige Bedienelemente umsetzen. Der Preis soll sensationell niedrig sein und wird wohl auch als Crowdfunding-Aktion in Kürze starten. Wer das nicht verpassen möchte, sollte sich hin und wieder hier einfinden und informieren.

Info

Video

Um ein Gefühl zu bekommen, wie das mit einem Drehknopf und einem Taster funktioniert, kann das hier sehen. Der Minimo Sequencer steht auf einem Blofeld – und zeigt damit die „Größe“ des Winzlings.

Audiothingies DoubleDrummer mit eigenen Samples für 303 Euro

Audiothingies Doubledrummer

Eine klassische kleine Sample-Maschine für Drums bietet Audiothingies mit dem DoubleDrummer da an. Es handelt sich um einen Sample-Player mit speziellen Parametern für jede Art von Drumsound.

Die Parameter sind als Liste am besten zu genießen:

  • Bassdrum: tune, attack, decay, pitch mod level, pitch mod decay time
  • Snare: tune, tone decay, noise level, noise decay, color, emphasis
  • Tom: pitch, low pitch, hi pitch, decay, pitch mod level, pan spread
  • Clap: attack, decay, color, emphasis
  • Cowbell: tune, offset, decay, harmonics, emphasis
  • HiHats: closed decay, opened decay, color, emphasis

Sie sind angemessen, mehr als das bei den meisten Drummachines sonst zu finden ist und damit akzeptabel. Die meisten Geräte haben nur ein Set von 2-4 Parametern, hier sind es dann doch ein paar mehr. Jeweils sechs davon kann man gleichzeitig einstellen, sie sind jedoch etwas anders verteilt auf dem Display.

DoubleDrummer mit MIDI und USB

Der DoubleDrummer hat MIDI und USB und einen Stereoausgang. Es gibt 56 interne Drumsounds und solange der normale Drum-Modus aktiv ist, werden die obigen Parameter verwendet und alles funktioniert ganz normal für einen Drum-Expander. Alternativ kann man aber auch den Sample-Playback-Modus verwenden, dann handelt es sich um einen zwölfstimmigen Drum-Sample-Player im klassischen Sinn.

Jedes Instrument hat einen Bitcrusher, Drive und Panning und dazu zwei Effektbusse. Die hier möglichen Effekte sind Delay (Echo) oder Reverb (Hall). Am Master-Effekt-Bus, den es zusätzlich noch gibt, kann man die Samplerate herunterdrehen und damit den Klang auf Lo-Fi trimmen. Außerdem gibt es Bitcrushing und ein 12 dB/Oktave-Tiefpassfilter mit Resonanz.

Die Soundparameter werden in 128 Speicher verfrachtet und eine Software für Mac und Windows wird es erlauben, eigene Samples in das Gerät zu laden. Letzteres ist eindeutig das Highlight des Gerätes für diesen doch sehr niedrigen Preises von 303 Euro.

Offenbar sind die Hersteller Fans von 12- und 8-Bit-Drummachines, denn sie vergleichen das Gerät mit diesen und haben offenbar auch deshalb genau diese Option mit eingebaut.

Die Website mit weiteren Informationen findet man hier.

Kann billig gut sein? Was muss man sich nicht gefallen lassen?

Kann billig gut sein Teaser

Synthesizer waren doch immer teuer. Seit Ende der der Siebziger sind sie “erschwinglich”, aber heute sind sie sogar billig. Aber ging das auch auf Kosten von Qualität und Zugang? Kann billig gut sein?

Zunächst sei gesagt, dass dies nicht die erste Diskussion dazu ist, sondern eher die bestehenden aufnimmt. Da wäre dieser und jener Faden.

Und natürlich auch dieser Link. Hier beschwert sich jemand aus der Szene über die mangelnde Qualität, reduzierte Oberflächen und das alles nur, um den Preis von Synthesizern unter 500 oder gar 400 Euro drücken zu können. Dabei muss zwangsweise etwas fehlen. Die Elemente sind klein, nicht vorhanden oder qualitativ so schlecht, dass sie nicht sonderlich lange halten mögen?

Geht gut nur teuer?

Ist das wirklich so? Nun, schauen wir mal auf die gern kritisierte Boutique-Serie von Roland. Über die Größen der Bedienelemente kann man streiten. Der Vergleich aus der Ursuppendiskussion mit dem Schmidt Synthesizer könnte sich dabei als Bärendienst erweisen, denn genau das ist ja eher nicht die Alternative.

Wohl aber solche Geräte, die vielleicht 100€ mehr kosten. Es geht also nicht darum, Minitasten schlechter zu finden oder Formate zu kritisieren, sondern wirklich eine Art Pflichtenheft für die Industrie bereitzustellen. Wann ist ein Synthesizer einfach “nur billig” und was hätte man besser machen müssen? Auch auf die Gefahr hin, dass sich 2-3 Leute mit sehr knappem Geldbeutel den nicht leisten können.

Fakt ist sicher, dass Synthesizer wie die kommenden SE-02 oder D-Synth, also Clones oder die Boutique Serie oder auch die Volcas, von verschiedener Qualität und Zielgruppe sind. Ein Preis von 130€ für ein Gerät ist verdammt günstig und vielleicht nicht für jeden wirklich eine Alternative, der sich normalerweise eine TR-808 oder deren Äquivalent kaufen wollte.

Wohl aber macht es endlich möglich, dass diese Leute alle etwas bekommen können für weniger Geld, als man für etwas ausgeben mag, was einen nicht brennend, aber doch sehr interessiert. Denn man musste und muss sich brennend für Musik interessieren, um eben die teureren Synthesizer und die Ausrüstung komplett zu besitzen, wenn sie auch insgesamt günstiger ist als je zuvor. Wer soll darüber richten?

Woran darf es nicht fehlen?

Aber was geht nicht? Das ist leicht. Schlechte Buchsen, schon bald knirschende Potis, fehlende vergleichsweise notwendige und sinnvolle Anschlüsse wie etwa MIDI-Thru. Besonders bei Geräten, die Sync-Signale via MIDI bekommen und irgendwo zwischen Sequencer und Groovebox anzusiedeln sind.

Eine Tastatur ohne Anschlagsdynamik wäre ebenfalls wenig sinnvoll. Arturia hat mit dem Microbrute diese einfach mit drin gelassen – mit der Folge, dass der kleine Synth auch als Controller taugt. Ein MS20 Mini tut das nicht, da ihm sowohl das zweite “Wheel” fehlt als auch die Sendemöglichkeit per MIDI außer Note an und aus.  Das ist einfach Bullshit und kostet mehrere Zusatzboxen und Elektronik und macht eben einen solchen Synthesizer als Controller ungeeignet.

Ein typisches Beispiel

Siehe aktuell bei der neueren Electribe: Da wurde zu stark gespart, wo sonst die Qualität hoch ist. Das Gerät ist angenehm zu berühren und drehen, es fehlt aber MIDI-Thru, und einige Parameter sind in eine überlange Liste gefallen, was die Bedienung erschwert.

Ersteres ist nicht okay, zweiteres für Leute, die das live nicht benutzen, vielleicht ok, aber kein schlauer Schachzug. Der Aufpreis von gut 50-100€ für die Taster des Vorgängermodells wäre hier nicht zu sparen gewesen. Sie wird sich nicht besser verkaufen, wenn man das Prinzip durchschaut. Außerdem ist diese nervige Begrenzung auf 4 Takte ein Unding! Heute gibt es 8 oder 16 Takte, und das kostet nur etwas Speicher und eine Ladung LEDs. Das darf nicht sein.

Übrigens ist ein klassischer monophoner Aftertouch auch nur der Einbau eines Drucksensorbandes unter die Tastatur. So etwas kostet nicht sonderlich viel. Daher ist es absolut gut als Käufer, auch von günstigen Synthesizern, durchaus mal mit harter Hand zu sagen: Das hier wollen wir und da wird gefälligst nicht gespart.

Am falschen Ende gespart

Am Ende geht es um Bauteile und Langlebigkeit, keinerlei Obsoleszenz und weniger um Optik. Eine Buchse, die exotisch ist anstatt einer gängigeren Form, ist hingegen ein Ärgernis. Wieso spart man Einzelausgänge an einer Drummachine? Wieso werden Treiber von manchen Geräten schon nach 2-3 Jahren nicht mehr vom Hersteller gepflegt? So etwas ist Sparen am falschen Ende.

Wer das findet, sollte auch mal nicht kaufen und laut Feedback geben, da vieles ja toll ist an diesen günstigen Angeboten. Dieser Artikel polarisiert vielleicht weniger, aber wer mit dem Schmidt für 20k€ argumentiert, hilft niemandem. Es gibt hervorragende Synthesizer für 400€ heute. Aber sie wären einfach besser, wenn sie 410€ kosten würden und dafür ein bisschen langlebiger und für die Bühne besser geeignet wären. Selbst wenn der Käufer nur zu Hause damit Bimmelbahn spielen würde oder zu Weihnachten Songs von Jean-Michel Jarre spielt.

Und? Was sind genau diese Kriterien? Welche sind wichtig und welche nicht? Wir freuen uns auf Kooperation aber ohne Feedback würden die Hersteller vielleicht den Audioausgang einsparen und als Miniklinke ausführen. Eine Miniklinke, die nach 2-3 Jahren kaputt ist. Sowas gibt es auch bei teuren Eurorack-Modulen. Muss das sein? Nein! Muss es nicht! Danke!

Absichtlich billig oder nur nicht nachgedacht?

Schlimm ist leider, wenn ein Gerät sehr sehr nah an dem ist, was man gerne hätte. Aber es fehlt an ein paar LEDs oder Tastern. Oder sie taugen nicht viel. Das darf nicht dazu führen, dass selbst für Einsteiger Geräte zwar 300€ kosten können, aber für 325€ hätte man es viel viel besser machen können und nichts knirscht wie heute mein Volume-Knopf am Microkorg.

Das an einem Buchla die Knöpfe für den Preis nicht wackeln dürfen, versteht sich von selbst. Also: Ansagen und nicht kaufen, bis sie es tun, so man es dann auch wirklich kaufen will und wollte. Manche Hersteller glauben, dass knapp vorbei daneben sei. Schlimm ist aber, wenn Hersteller diese kleinen Dinge nicht tun.

Der schlimmste Fehler bei der Roland MC-Grooveboxen-Serie war damals, dass deren Patterns sich nur durch Anhalten des Sequencers ändern ließen und einen speziellen Modus dafür hatten. Sonst waren sie sehr attraktiv, aber das hat sie gekillt. Schade, wenn schon das technische Design “billig” ist. Oder ist es nur nicht nachgedacht?

Dave Smith liefert Prophet Rev 2 aus – Konkurrenzcheck aktualisiert!

DSI Auslieferung Rev2

Es war schon eine ziemliche Sensation, als der Nachfolger des Prophet 08 von Dave Smith Instruments (DSI) erstmals gezeigt wurde – zu einer Zeit, als Polyphonie und analoge Technik extrem selten waren. Zunächst war sein Name nur Rev 2, mittlerweile ist es offiziell Prophet Rev 2. Quasi der Juno unter den DSI Synthesizern, da er auch günstiger als die anderen ist.

Billig ist er aber dennoch nicht, das macht eine andere Firma mit Produktion in Fernost, von daher spielt die Preisgestaltung der beiden erhältlichen Modelle eine große Rolle. Laut Musikhaus Thomann sind das 2229 Euro für die 16-stimmige Variante und 1659 Euro für die klassische Option mit acht Stimmen. Natürlich drängt sich nun der Vergleich mit zwei ganz bestimmten polyphonen Synthesizern auf, dem DeepMind 12 und dem Peak.

Und hier wird sehr klar, dass DSI faktisch aus dem finanziellen Rennen nicht als lachend herausgeht, Novation und Behringer werden sich um den Platz des günstigen mehrstimmigen analogen Synthesizers prügeln, denn dort trennt die beiden nur 100 Euro, während die DSIs 300-400 Euro entfernt sind. Deren Vorteil wäre dann nur die 16-stimmige Version.

Der beliebte Prophet 08 war schlicht der günstigste analoge polyphone Synthesizer “vor Behringer” und wird inzwischen diesen Titel an den DeepMind 12 abgegeben haben. Der Novation Peak ist zwar nicht voll analog, sondern hybrid, jedoch erfüllt er diesen analogen Zweck und klingt auch so, wie man das von einem Analogen erwartet. Das Rennen wird also meiner Meinung nach eher er machen können. Er wirkt auch spannender.

Dave Smiths Angebot ist dann die Nummer drei mit beiden Modellen und für Menschen mit Ambient-10-Finger-Drang wirklich besser und interessanter. Aber: Der DeepMind 12 ist bei den Fähigkeiten des zweiten Oszillators eingeschränkt und besitzt keinerlei Äquivalent zu FM oder Ringmodulation, was gerade den Peak auszeichnet. Der leistet in dem Bereich nämlich viel mehr als die anderen. Daves neuer Synthesizer wird daher primär für schön klingende Flächenmenschen da sein und kann natürlich mit einigen guten Modulationsmöglichkeiten aufwarten, nicht aber mit “schrägeren Tönen”.

DSI Prophet Rev 2 Front Schraeg
DSI Prophet Rev 2 von Oben

Die Juno-Klasse erreicht er finanziell nicht ganz und die klanglichen Möglichkeiten lassen ihn dann im Mittelfeld stehen. Diese drei Bewerber mit über 8 Stimmen haben sonst noch den deutlich unbekannteren Parva als Konkurrenz aus den USA, den es aber nicht “im Laden” bei uns gibt. Er wäre günstiger als alle andern und ebenfalls eher an der Komplexität des Deep Mind oder Prophet orientiert. Er ist der heimliche Gewinner.

Was DSI jetzt daraus machen wird, wo der neue Rev 2 wirklich ausgeliefert wird, werden wir mal beobachten. Ich finde es ist sehr schön, dass in diesem Sektor was passiert. Wie frisch etwas wirkt, kann sich aber durchaus drehen und wir warten daher auf den vierten ernsthaften Bewerber und wie sich der Rev 2 behaupten wird und in welcher Version.

Brauchst du 8 oder 16 Stimmen? Oder doch 12? Und wie relevant sind die Synthese-Features? Das wird hier die erste Frage sein.